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Verdi im Kasernenhof

Eine Opernaufführung im Hof eines Amtsgebäudes, noch dazu im Bundesministerium für Landesverteidigung? Das klingt nach einer verrückten Idee und vielleicht ist es das auch ein wenig. Zur Erklärung: Die Initiative zu diesem ungewöhnlichen Projekt ging von der Abteilung Corporate Identity & Kommunikationsstrategie aus und hier arbeiten nun einmal die Vor-, Mit- und Nachdenker des Ressorts, die sich fallweise auch als Künstler und Träumer erweisen. Schon zur Bewältigung des Alltagsgeschäfts, das – sehr vereinfacht gesagt – Kommunikationsplanung zum Inhalt hat, benötigen die Mitarbeiter hier ein hohes Maß an kreativem Potential. Wie sonst wäre wohl beispielsweise die Entwicklung und Umsetzung eines neuen Corporate Designs für das Österreichische Bundesheer in relativ kurzer Zeit zu bewerkstelligen gewesen?

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die Idee ist keineswegs neu. Wer erinnert sich noch an die mittlerweile zwanzig Jahre zurückliegende öffentliche Diskussion über den Umbau der Roßauer Kaserne zu Wiens größtem Opernhaus? Da die Nachfrage nach Opernkarten immer schon viel größer war als das Angebot, verfolgten die Stadtpolitiker Mitte der 80er Jahre den Plan, ein historisches Gebäude in zentraler Lage für das Musiktheater zu adaptieren. Es sollte innen mit modernster Bühnentechnik ausgestattet werden und Platz für mehrere tausend Zuschauer bieten. Als möglicher Standort wurde damals neben der Roßauer Kaserne auch der Messepalast lanciert, der heute das MuseumsQuartier beherbergt. Das Opernprojekt wurde jedenfalls viel belächelt und alsbald wieder fallen gelassen.

Nach aufwändiger Restaurierung ist die Roßauer Kaserne seit Frühjahr 2004 offizieller Sitz des Bundesministeriums für Landesverteidigung. Die vormalige Kronprinz-Rudolf-Kaserne – die Umbenennung in Roßauer Kaserne erfolgte erst nach 1918 – wurde 1865-69 nach Plänen von Architekten aus dem Offizierskorps als Pendant zur längst abgebrochenen Franz-Josephs-Kaserne am Stubenring errichtet und hatte ursprünglich die Funktion einer innerstädtischen Verteidigungsanlage gegen Angriffe der aufbegehrenden Bevölkerung: Den aristokratischen Bauherren saß noch die Erinnerung an die revolutionären Ereignisse von 1848 im Nacken. Der weitläufige Backsteinbau mit den markanten weißen Einfassungen ist ein Spätwerk des romantischen Historismus und zitiert mit seinen zahlreichen Türmen und Zinnen sowie romanisch und gotisch inspirierten Dekorelementen Festungsarchitektur im Windsorstil. Kein Wunder, dass das auffallende Bauwerk bereits mehrfach als authentische Kulisse für große Film- und Fernsehproduktionen diente. In den letzten Jahren drehte hier etwa Götz Spielmann Teile seiner Verfilmung von Arthur Schnitzlers Novelle „Spiel im Morgengrauen" und auch für die allererste österreichisch-chinesische Film-Koproduktion „Am anderen Ende der Brücke" (Regie: Hu Mei, 2002) fanden Dreharbeiten in der Roßauer Kaserne statt.

Für die Zeit nach Abschluss der Sanierungsarbeiten war von Seiten der Abteilung Corporate Identity & Kommunikationsstrategie seit längerem eine temporäre Öffnung des prächtigen Monumentalbaus am Ufer des Donaukanals für die Allgemeinheit zu besonderen Anlässen geplant. Das fünfzigste Bestandsjahr des österreichischen Bundesheeres sollte Grund genug sein, einmal ein ganz und gar ungewöhnliches Projekt zu verwirklichen. Auf der Suche nach einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung mit der auch Zielgruppen angesprochen werden können, deren Interessen abseits rein militärischer Themen liegen, entsann man sich der alten, keineswegs nahe liegenden Idee von der Nutzung der Roßauer Kaserne als Opernhaus.

Warum sollten wir den originellen Einfall nicht jetzt auf unsere Weise umsetzen? Eine Nachfrage bei der „opernwerkstatt wien", die seit einigen Jahren jeden Sommer an wechselnden Schauplätzen Oper aufführt, ergab, dass man dort gerade einen Veranstaltungsort für die geplante Neuproduktion von Giuseppe Verdis „Attila" suchte. Eine Erklärung der weiteren Geschehnisse in dieser Sache erübrigt sich. Die mitreißende Musik des 33-jährigen Verdi und die martialische Handlung lassen das Werk wie geschaffen erscheinen für eine Freiluftaufführung im Kasernenhof.

Der Nordhof der Kaserne, Schauplatz der Opernaufführung, wird in wenigen Wochen im Rahmen eines Festaktes in „Carl-Szokoll-Hof" umbenannt und damit dem Andenken an den im Vorjahr 89-jährig verstorbenen militärischen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime gewidmet. Major Carl Szokoll wirkte nach dem Krieg als Filmproduzent und Autor. Als Zeitzeuge war er bis ins hohe Alter beratend bei zeitgeschichtlichen Dokumentationen tätig und stand unermüdlich als Interviewpartner zur Verfügung. Seine letzte Ruhestätte hat Szokoll in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf  dem Zentralfriedhof gefunden, übrigens neben jenem des „Opernführers der Nation" Marcel Prawy.

Von der großen Leidenschaft, die Dr. Richard Szokoll, der Sohn des Gewürdigten, der als Psychologe beim österreichischen Bundesheer tätig ist, für die Oper hegt, handelt der liebevoll ironische ORF-Dokumentarfilm „Und der Bus fährt weiter" von Werner Boote. Er stellt einige der letzten wahren Opernfans vor, die selbst anstrengende Busreisen nicht scheuen, um Aufführungen ihrer Lieblingsopern und -sänger zu erleben.

Gibt es noch offene Fragen, warum in diesem Sommer ausgerechnet im Hof der Roßauer Kaserne Opernaufführungen stattfinden? Wie beim Puzzlespiel fügte sich ein Teilchen zum anderen und ließ es uns letztlich als folgerichtig erscheinen, was heute hier zu hören und zu sehen sein wird.

In diesem Sinne: Hof frei für „Attila" von Giuseppe Verdi.

Peter Jungmayer

Mag. Peter Jungmayer ist Referatsleiter in der Abteilung Corporate Identity & ommunikationsstrategie im Bundesministerium für Landesverteidigung und Mitinitiator des Projekts „Oper in der Roßauer Kaserne".

 


Die Handlung

Preludio

Prolog

Attilas Heerscharen sind auf ihrem großen Hunnenzug (ca. 450 n. Chr.) in Italien eingefallen und feiern auf einem Platz in den Ruinen Aquileias die Eroberung der Stadt und ihren siegreichen Feldherrn (Introduzione e Coro: Urli, rapine). Unter den weiblichen Gefangenen, die von Uldino gerettet wurden, befindet sich Odabella, die Tochter des von Attila erschlagenen Herrschers von Aquileia, die als Anführerin einer Schar kriegerischer Frauen an den Kämpfen teilgenommen hat. Als sie um Rückgabe ihres Schwertes bittet, ist Attila von ihrem Heldenmut beeindruckt und schenkt ihr das eigene. Odabella schwört Rache für ihren ermordeten Vater (Scena e Cavatina: Allor che i forti corrono).

Danach empfängt Attila Ezio, den römischen Feldherrn und Gesandten des Kaisers, als geachteten Gegner. Aber dessen Vorschlag, ihm Italien zu überlassen, sonst jedoch über das römische Weltreich und die ganze Welt zu gebieten („ … Avrai tu l'universo, resti l'Italia a me") weist Attila zurück und kündigt die Fortsetzung seines Feldzugs und die Eroberung Roms an (Duetto: Tardo per gli anni e tremulo).

Am Rio Alto in den Adrialagunen. Ein Sturm legt sich, Sonnenaufgang, Eremiten loben Gott. Flüchtlinge aus Aquileia erreichen die Gegend unter der Führung des Ritters Foresto, beschließen sich hier niederzulassen und eine neue Stadt – Venedig – zu gründen.

Foresto quält der Gedanke, dass seine Verlobte Odabella sich in der Gewalt Attilas befindet (Scena e Cavatina: Ella in poter del barbaro!)


Erster Akt

In Attilas Lager; Odabella hat sich Attilas Heer angeschlossen, um ihren tot geglaubten Geliebten und ihren Vater zu rächen. Sie glaubt, deren Gesichter in den umherziehenden Wolken zu sehen (Scena e Romanza: Oh! Nel fuggente nuvolo). Foresto erscheint als Hunne verkleidet und wirft ihr Verrat und Treulosigkeit vor. Odabella berichtet ihm von ihrem heroischen Entschluß: Sie werde auf Attilas Werben um sie scheinbar eingehen und, wie Judith einst mit Holofernes verfuhr, dessen eigenes Schwert gegen ihn erheben und ihn töten. Voller Hoffnung umarmen sich die Liebenden (Scena e Duetto: Sì, quello io son, ravvisami).

In seinem Zelt schreckt Attila aus einem Alptraum hoch und ruft Uldino zu sich: Ein riesiger alter Mann sei ihm auf dem Weg nach Rom entgegengetreten, habe ihm Angst eingejagt, ihn als Geißel der Menschheit verflucht und ihm den Rückzug anbefohlen (Scena ed Aria: Mentre gonfiarsi l'anima).

Finale I

Nachdem er seine Fassung wiedergefunden hat, lässt Attila seine Truppen zum Aufbruch zum Marsch auf Rom zusammenrufen. Plötzlich nähert sich eine Prozession von Priestern, Frauen und Kindern, angeführt vom Papst Leo, der Attila genau mit den Worten des Traums entgegentritt. Zum Erstaunen seiner Krieger demütigt sich der Hunnenkönig vor dem Kirchenführer und weicht zurück; Odabella, Foresto und die Frauen preisen Gott.


Zweiter Akt

In Ezios Lager. Aus einem kaiserlichen Schreiben erfährt Ezio, daß der junge, schwächliche Kaiser Valentinian mit den Hunnen einen Waffenstillstand vereinbart hat. Verbittert nimmt der Feldherr dessen im arroganten Tonfall gehaltenen Befehl zur Rückkehr nach Rom entgegen. Valentinian erscheint ihm als Symbol für den Verfall Roms. Foresto enthüllt ihm den Plan zu Attilas Ermordung bei einem Bankett und Ezio sichert die Hilfe seiner Truppen zu. Er fühlt sich als letzter aufrechter Römer, bereit für Italien zu sterben, das seinen Tod beweinen wird (Scena ed Aria: Dagl'immortali vertici).

Finale II

Bei Attilas Gastmahl zum Friedensschluss ertönen Kriegs- und Huldigungsgesänge –Attila feiert im Kreis seiner Gäste, unter ihnen Odabella. Ezio trifft ein, Attila wird von seinen Leuten vor den Römern gewarnt. Ein Unwetter versetzt die Versammelten in Schrecken. Ezio versucht noch einmal eine Einigung mit Attila und wieder verweigert ihm Attila diese.

Als Odabella von Foresto erfährt, dass Attilas Becher einen Gifttrank enthält, verhindert sie, dass dieser daraus trinkt, um sich die Rache an ihm persönlich vorzubehalten. Foresto nimmt die Verantwortung für den Mordanschlag auf sich, woraufhin Odabella Attila bittet, ihr die Bestrafung Forestos zu überlassen. Attila kündigt seine Vermählung mit Odabella für den nächsten Tag an und verspricht seinen Soldaten, alsbald mit ihnen Rom zu erobern.


Dritter Akt

Uldino berichtet Foresto von den Hochzeitsvorbereitungen, Foresto ist verzweifelt und wartet auf Gelegenheit zur Rache (Scena e Romanza: Che non avrebbe il misero). Ezio wartet darauf, mit seinen Kriegern Attilas Hochzeitszug und dessen Truppen zu überfallen und mahnt Foresto zur Besonnenheit. Als Odabella erscheint, die vom Lager Attilas geflüchtet ist, beschuldigt dieser sie wütend des Verrats, während ihm Odabella ihre Liebe beteuert (Terzetto: Te sol, te sol quest' anima).

Auf der Suche nach Odabella erscheint Attila und stellt sie, Foresto und Ezio zur Rede (Quartetto finale: Tu, rea donna, già schiava, or mia sposa). Die Römer rücken gegen die Hunnen vor. Odabella ersticht Attila mit dessen eigenem Schwert.



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