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L’infedeltà delusa<br>Gianni Schicchi
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Schloss Neuwaldegg: "opernwerkstatt wien" mit Freiluft-Oper

Was haben denn Joseph Haydn und Giacomo Puccini gemein?

Bei herrlichem Wetter, mancher würde es als Hitze bezeichnen, wurden Dienstagabend zwei musikalische Raritäten im Schloss Neuwaldegg in Wien von der "opernwerkstatt wien" präsentiert. Joseph Haydns "L'infedeltá delusa" und Puccinis "Gianni Schicchi".

Die "opernwerkstatt wien" hatte es sich zur Aufgabe gemacht, diese beiden Komödien szenisch miteinander zu verflechten. Dem Regisseur Robert Simma ist dieses experimentelle Regiekonzept wirklich gelungen. Simma verwendet die Oper "Gianni Schicchi" als Rahmenhandlung für Haydn. Am Ende von "L'infedeltá delusa" stirbt Buoso Donati und eröffnet somit als Leiche den zweiten Teil des Abends. Diese Zusammenstellung löst auch die Probleme der kleinen und sehr winkeligen Bühne, die Umbauten unmöglich macht. Simma integrierte in seine Regiearbeit auch den Schauplatz, das Schloss Neuwaldegg, als Kulisse, so dass Teile des Schlosses in die Aufführung einbezogen wurden.

Auch das musikalische Konzept des Dirigenten Tiziano Duca besteht aus einer Verbindung der beiden Opern. Musik des frühen 20. Jahrhunderts, die eine Geschichte aus der Divina Commedia Dantes der Renaissance-Zeit vertont, trifft dabei auf eine Barockoper. Eine interessante und unterhaltsame Mischung.

Duca leitete das Orchester der "opernwerkstatt wien", das aus einem Zusammenwirken von professionellen Musikern und musikbegeisterten Amateuren besteht. Das erklärt vielleicht die kleinen Unstimmlichkeiten zu Beginn im Orchester, die vom Konzertmeister gekonnt überspielt wurden. Nach kurzer "Aufwärmphase und besonders im zweiten Teil der Aufführung war davon nichts mehr zu hören.

Das Ensemble der SängerInnen besteht aus jungen Künstlern, meist Studenten oder Absolventen der Musikuniversität Wien.

Besonders herausragend in "L'infedeltá delusa" war die Darstellerin der tragenden Rolle Vespina, Anna Behne. Abgesehen von ihrem klaren Sopran (auch sie zeigte zu Beginn ein paar kleine Unstimmigkeiten, die sicherlich auf die Nervosität zurückzuführen waren) stellte sie auch szenisch ein komödiantisches Talent dar.

Vespinas Bruder Nanni, dargestellt von Tijl Fayvets, konnte mit seiner Arie "Non v'é rimedio, non v'é compenso" gesanglich überzeugen, wenn auch ein wenig die darstellerische Intensität fehlte. In "Gianni Schicchi" hingegen war die szenische Ausdrucksform als Simone geradezu einprägend.

Die schüchterne Sandrina wurde von Claudia Emá Camie glaubwürdig und gesanglich eindrucksvoll verkörpert. Kirlianit Cortes Galvez, als der reiche Bauer Nencio, wurde leider des Öfteren vom Orchester übertönt.

In Giacomo Puccinis "Gianni Schicchi" war der Höhepunkt dieses Opernereignisses zu finden: die berühmte Arie, die im Zentrum dieses Werkes steht, "Oh! Mio babbino caro", gesungen von Sewan Salmasi in der Rolle der Lauretta. Salmasi ist es mit ihrer berührenden Interpretation gelungen, das Publikum für sich zu gewinnen.

Martin Winkler, in der Titelrolle des Gianni Schicchi, glänzte durch Bühnenroutine und Präsenz sowie mit seinen stimmlichen Mitteln.

Insgesamt handelt es sich bei dieser Produktion um ein gelungenes Opern-Event, das den Zuschauern alles bieten kann: ein homogenes Sänger-Ensemble mit Esprit und Charme, ein innovatives Regiekonzept und ein, im großen und ganzen, klangschönes Orchester, und das alles openair.

Wiener Zeitung / Verena Franke, 7. August 2003


Oper: Morden mit Haydns Hilfe

Was geschah vor Puccinis "Gianni Schicchi"? Die "Opernwerkstatt Wien" liefert die Vorgeschichte gleich mit: eine Haydn-Oper.

Die berühmteste Leiche der Operngeschichte lebt: Der reiche Buoso Donati, kränklich, aber noch unangenehm rüstig, soll von seiner erbgeilen Verwandtschaft stilvoll musikalisch um die Ecke gebracht werden, sinniger Weise mit einer Haydn-Oper. "L'Infedeltà delusa" (Untreue lohnt sich nicht), wird als Stück im Stück à la "Ariadne" von einer kurzerhand gedungenen fahrenden Operntruppe (deutlich gekürzt) vor dem Alten aufgeführt. Der Plan gelingt. Doch nicht etwa aus Langeweile, sondern vor lauter Aufregung segnet Buoso das Zeitliche, und Puccini kann beginnen.

Regisseur Robert Simma hat die beiden Werke für die Freiluftproduktion vor dem Schloss Neuwaldegg über die Kluft von fast 150 Jahren reizvoll miteinander verquickt: In die Zeit Puccinis verlegt, gibt das "Spiel im Spiel" reichlich Gelegenheit, die Schwärmerei von Opernfans auf die Schaufel zu nehmen (Mitglieder der Donati-Sippe erliegen der erotischen Anziehungskraft der Sänger und mischen sich in die Handlung), rechtfertigt aber auch mit Augenzwinkern die behelfsmäßige, doch stimmungsvolle Ausstattung. Ohne aufgesetzte Gags, mit Witz und Liebe zum Detail zeichnet Simma über alle Verwechslungs- und Verkleidungsränke, die beide Werke durchziehen, klar profilierte Charaktere, die, präzise geführt, in "Gianni Schicchi" ihre komödiantischen Höhepunkte fanden.

Weit von diesem szenischen Niveau entfernt war die Leistung des Orchesters der "Opernwerkstatt" unter Tiziano Duca, das selten mehr als klägliche Näherungswerte lieferte. Vor allem bei Haydn: Wie viel musikalisches Vergnügen im unterschätzten Stück stecken könnte, war nur zu erahnen. Ein Wunder auch, dass Buoso die saure Intonation der Spielmacherin Vespina so lange überlebt hat. Homogener besetzt war "Gianni Schicchi": Der Titelfigur verlieh Martin Winkler als Mischung aus Puccini und einem Mafioso der ersten Stunde auch sängerisch ansprechendes Profil, Sewan Salmasi gab eine stimmlich reife Lauretta, Bernhard Berchtold einen bis auf die gefährdete Höhe klangvollen Rinuccio; gut und passend besetzt die übrigen Rollen.

Die Presse / Walter Weidringer, 7. August 2003


Leserbrief

Lieber Herr Weidringer,

Ihre Kritik ist witzig, gut und treffend geschrieben. Als Kritikerkollege hätte ich es bei den Salzburger Nachrichten vielleicht ähnlich gemacht. Aber als (befangenes) als Geiger mitwirkendes Orchestermitglied - und alle haben wir natürlich Ihre Kritik gelesen und akzeptiert und auch nicht wehgeklagt - darf ich Ihnen und den geschätzen Lesern der Online-Presse nur sagen: Über unsere Leistung bei der Premiere waren wir selbst am meisten unglücklich, wir waren müde von den vielen Proben und wir können es wirklich besser. Bei Haydn zumal, den können sogar wir witziger und spritziger. Und wir sind - was Puccini anlangt - Neulinge und zudem ein großteils aus ambitionierten, verrückten Laien zusammengesetztes Orchester. Für uns war diese Premiere also eine etwas verpatzte Generalprobe und heute, bei der 2. Vorstellung, war es schon wieder ganz anders. Na ja, falsches "Timing". Übrigens haben sich auch die Sänger der Hauptpartien - Vespina, aber auch Gianni Schicchi und Rinuccio - enorm gesteigert und gelockert. Das gibt mir Mut mir zu erlauben, an dieser Stelle doch noch einmal für uns zu werben:

Weitere Vorstellungen von Haydn x Puccini sind in Neuwaldegg openair noch am 9., 11., 13. und 15. 8. (Beginn: 20 Uhr) zu erleben. Karten gibt es an der Abendkasse oder unter 01/96096. Und es zahlt sich aus. Was die Presse-Kritik ja auch gar nicht in Frage gestellt hat. Dass es auch weiterhin aufregend bleibt, dafür verbürge ich mich persönlich (entweder, weil ich mich verzähle, oder weil ich es den Herren im Frack in der Oper auch einmal zeigen will).

Mit freundlichen Grüßen (vielleicht. lieber Herr Kollege, chatten wir ja auch einmal live darüber oder auch über was anderes, was mir, Ihre Arbeit durchaus sehr schätzend, Vergnügen bereiten würde)

Ihr Heinz Rögl

8. August 2003, 02:43 Uhr


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